Tadeusz Lis, Chief Executive Officer von Safety Experts Sp. z o.o., äußerte auf seinem LinkedIn Profil eine interessante Meinung zu negativen Strompreisen im polnischen Energiesystem.
Der Autor stellt die These auf, dass negative Strompreise kein Geschenk des Marktes sind, sondern ein Symptom eines schlecht ausbalancierten Elektrizitätssystems, und dass die Kosten, die zunächst verschiedene Teilnehmer tragen – d. h. EE Erzeuger ohne angemessene Steuerung und Kontrahierung, Vertriebsunternehmen mit verfehlter Bilanz, ein Teil der gewerblichen Prosumer und mitunter sogar konventionelle Kraftwerke – am Ende dennoch auf die breite Basis der Verbraucher und Steuerzahler umverteilt werden.
Der Autor zeigt überzeugend, dass keine dieser Gruppen eine Wohltätigkeitsorganisation ist: Verluste der Vertriebsunternehmen kehren in Form höherer Handelsgebühren, Sicherheitsmargen und weniger vorteilhafter Bedingungen neuer Verträge zurück; Verluste der EE Erzeuger in Stunden hoher Einspeisung drängen sie zu höheren Preisen in langfristigen Verträgen, zur Forderung nach höheren Subventionen, zu Investitionen in Speicher (mit Kosten, die zurückverdient werden müssen) oder zum Aufschub neuer Projekte, was die Kapitalkosten erhöht; Einnahmen konventioneller Kraftwerke „für das Nicht Produzieren“ und für Systemdienstleistungen stammen aus Systementgelten, Operator Kosten und Tarifen, also ebenfalls aus den Taschen der Verbraucher.
In diesem Sinne ist der Erfolg des dynamischen Verbrauchers, der real nützlich sein kann, weil er kurzfristige Überschüsse absorbiert und lokale Unwuchten verringert, in vielen Fällen das Ergebnis einer Umverteilung von Kosten und nicht deren systemischer Reduktion.
Der Autor verwendet eine treffende Analogie aus der Stabilitätstheorie (das sogenannte Hurwitz Stabilitätskriterium): Die lokale Dämpfung einer Abweichung beweist noch keine globale Stabilität; man kann eine Zustandskoordinate verbessern und dennoch eine funktionale Instabilität des Systems haben, wenn die strukturellen Störquellen bestehen bleiben.
Daraus ergibt sich auch eine wichtige Schlussfolgerung zu indirekten Effekten: Selbst diejenigen, die keine dynamischen Tarife nutzen und die Strombörse nicht verfolgen, zahlen in höheren Preisen von Waren und Dienstleistungen, Mieten oder kommunalen Gebühren sowie in den Kosten öffentlicher Förder oder Modernisierungsprogramme. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Negative Preise sind ein Signal für Überangebot zur falschen Zeit, für mangelnde Flexibilität auf Angebots und Nachfrageseite, für zu langsame Reaktionen eines Teils der Quellen sowie für eine unzureichende Architektur regulatorischer Anreize; der Gewinn weniger ist eine sichtbare Prämie aus den vergesellschafteten Kosten systemischer Unordnung.
Die Diagnose ist weitgehend zutreffend. Der Autor differenziert präzise zwischen individuellen Vorteilen und systemischen Kosten und beschreibt realistisch die Mechanik der Risiko und Verlustübertragung in der Wertschöpfungskette. Ehrlich ist auch der Hinweis, dass das Geld für das „Verdienen am Nicht Produzieren“ nicht aus dem Nichts kommt, sondern über Entgelte und Tarife aus den Taschen der Teilnehmer des Systems. Zu Recht werden die Grenzen der reinen Verbraucherflexibilität betont: Sie ist Teil der Lösung, garantiert aber keine systemische wirtschaftliche und technische Stabilität, wenn es an kohärenten Anreizen und angemessenen Investitionen in Flexibilität, Steuerbarkeit und Netze fehlt.
Aus diesen Beobachtungen ergibt sich eine praxisnahe Handlungsrichtung: Parallel nötige Investitionen in Flexibilität (Speicher, DSR, steuerbare EE und Hybride), in intelligente Abrechnung und Messung (dynamische Tarife, zentrale Markt /Datenregister, stündliche Granularität), in Netze (Übertragung, Verteilung, Flussmanagement) sowie in ein Redesign des Marktes (bessere Bepreisung von Systemdienstleistungen, Verträge auf Flexibilität, gegebenenfalls stärker lokalisierte Preissignale) sind erforderlich, damit negative Preise seltener und weniger ausgeprägt werden. Gleichzeitig müssen Vertriebsunternehmen und Erzeuger ihre Kontrahierungspraxis verbessern, um die Exponierung gegenüber extremen Episoden zu begrenzen und nicht automatisch das gesamte Risiko auf die Verbraucher abzuwälzen.
Das Erreichen dieser Leistungsfähigkeit erfordert ein stimmiges Bündel aus Investitionen, Markt¬reformen und Schutz für vulnerable Verbraucher, damit Preissignale weiterhin rationale Entscheidungen stimulieren, ohne die Haushaltsbudgets und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu sprengen. Werden die Spielregeln entsprechend gesetzt, werden negative Preise zum Korrektursignal statt zur Schadensrechnung und führen langfristig zu einem günstigeren und gerechteren System.Autor: MJ
Autor: MJ
Quelle: 1.