Am 13. Mai 2026 fand im Rahmen des Projekts TriLand – Grenzüberschreitendes Transformationszentrum – ein Studienbesuch in die deutsche Lausitz  statt. Ziel der Reise war es, praktische Erfahrungen mit der Umgestaltung ehemaliger Bergbaugebiete kennenzulernen und Inspirationen zu sammeln, die bei der Festlegung von Entwicklungspfaden auf der polnischen Seite der Grenzregion hilfreich sind. Zu Beginn der Route bot sich von einem Aussichtsturm am Schweren Berg der Blick auf den Tagebau Nochten und die durch den Abbau geprägte, ehemals glaziale Landschaft.

Der nächste Programmpunkt war der Findlingspark Nochten, in dem die geologische Geschichte Sachsens und die Vielfalt der Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen anschaulich präsentiert werden. Das vorgestellte Modell, das Rekultivierung mit Bildung und Tourismus verknüpft, zeigte, wie sich eine ortsspezifische Identität und ein attraktives Angebot für Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste aufbauen lassen.

Im Anschluss ermöglichte ein gemeinsames Essen im Komplex Schwarze Pumpe den Austausch von Beobachtungen zur Beteiligung der Bevölkerung an Transformationsprozessen sowie zu alltäglichen Aspekten des wirtschaftlichen Wandels in der Region.

Zentrales Element des Programms war der Besuch des Industrieparks Schwarze Pumpe, durchgeführt mit Alexander Scharfenberg, dem Flächenmanager (ASG GmbH). Vorgestellt wurden die Geschichte des Wandels eines der bedeutendsten Industrie‑ und Energiekomplexe Deutschlands an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen, die Herausforderungen, erzielten Ergebnisse sowie Pläne für die weitere Entwicklung. Besonderes Augenmerk galt technologischen Entwicklungsrichtungen wie neuen Generationen der Energiespeicherung (u. a. Silizium‑kohlenstoffbasierte und salzbasierte Batterien), dem Ausbau von Biogasanlagen sowie Initiativen zur Nutzung von Wasserstoff. Verdeutlicht wurde, wie Raumplanung, das Management postindustrieller Flächen und die Zusammenarbeit von Unternehmen ein Ökosystem schaffen, das die grüne Transformation begünstigt.

Zum Abschluss wurde am Bärwalder See ein Beispiel für eine auf Tourismus und Erholung ausgerichtete Rekultivierung präsentiert, wo Marina und schwimmende Häuser neue Funktionen ehemaliger Grubenareale veranschaulichen. Der Füllungsprozess des Gewässers in den Jahren 1997–2007 ermöglichte die Umwandlung einer Bergbaufolgelandschaft in einen attraktiven öffentlichen Raum und einen Baustein der Diversifizierung der lokalen Wirtschaft.

Aus der Reise ergaben sich zentrale Erkenntnisse. Erstens erfordert eine erfolgreiche Transformation eine langfristige Strategie, ein stufenweises Vorgehen und eine enge Koordinierung zwischen Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft. Zweitens macht die Größenordnung der Vorhaben in Infrastruktur, Rekultivierung und beim Aufbau neuer Industrieparks Unterstützung durch die Zentralverwaltung sowie verlässliche regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen notwendig. Drittens hängt der Erfolg des Wandels davon ab, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen; von Bildungsformaten der Rekultivierung bis zu Freizeitangeboten; was gesellschaftliche Akzeptanz schafft und dem Wandel einen gerechten Charakter verleiht.

Autor: MJ