Der wissenschaftliche Artikel „Strategies for Energy Transition and Regional Development in European Post-Coal Mining Regions“ von Antje Materny, Martin Špaček, Jessica Theuner, Robert Knippschild (Mitglied des TriLand-Projektteams) und Julius Janáček wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift Territory, Politics, Governance veröffentlicht und ist kostenlos in englischer Sprache unter diesem Link verfügbar.

Einleitung

Der Artikel befasst sich mit Strategien für den Energiewandel und die regionale Entwicklung in Post-Kohleregionen, wobei der Schwerpunkt auf der Region Ústí in Tschechien und der Lausitz in Deutschland liegt. Ziel der Transformation ist es, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, im Einklang mit dem europäischen Grünen Deal, was eine Reduzierung der Emissionen und ein besseres Ressourcenmanagement erfordert (S. 2).

Das Ausbalancieren eines einzigartigen kulturellen Erbes mit der Notwendigkeit der Modernisierung und nachhaltigen Entwicklung in peripheren Regionen erfordert mehrere strategische Ansätze. Ein zentraler Aspekt ist die Entwicklung regionaler Strategien, die traditionelle Identitäten mit neuen, nachhaltigen Visionen verbinden. Dies umfasst die Erstellung strategischer Pläne, die traditionelle Bilder durch neue positive Vorstellungen, Narrative und Visionen ersetzen, die als Vermittler im Prozess dienen können (S. 17).

Beide Regionen stehen vor der Herausforderung, Widerstand gegen Veränderungen zu überwinden, da eine starke Identifikation mit traditionellen Industrien wie dem Kohlebergbau besteht, was Blockadesituationen schaffen kann, die die Wahrnehmung neuer Möglichkeiten einschränken (S. 17). Daher müssen regionale Planungsprozesse Akteure in Transformationsprozessen stärken und sie in die Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen und zwischen Sektoren einbeziehen, um das kulturelle Erbe mit Modernisierung und nachhaltiger Entwicklung effektiv auszubalancieren (S. 17).

Tschechien: Region Ústí

Für die Region Ústí in Tschechien konzentrieren sich die regionalen Strategien auf wirtschaftliche Diversifizierung, Innovationen und Umweltdekarbonisierung, während gleichzeitig der soziale Zusammenhalt gewahrt bleibt. Der territoriale Plan für einen gerechten Wandel für diese Region stellt eine umfassende Strategie dar, die darauf abzielt, diese Elemente durch die Einbeziehung regionaler Partner in ihre Entwicklung auszugleichen (S. 12). Dieser Ansatz gewährleistet Respekt für das kulturelle Erbe, während er gleichzeitig auf die Notwendigkeit der Modernisierung und nachhaltigen Entwicklung antwortet.

Nationale Strategien
Die tschechische Regierung hat 2019 eine Kohlekommission eingerichtet, um einen Zeitplan für den Kohleausstieg zu empfehlen, mit einem vorgeschlagenen Ausstiegsdatum für 2038 (S. 10). Politische Veränderungen und externe Faktoren, wie die COVID-19-Pandemie und die Invasion Russlands in die Ukraine, haben den Diskurs über Energiepolitik beeinflusst, indem sie den Schwerpunkt auf Energiesicherheit und Selbstversorgung gelegt haben (S. 10).

Regionale Strategien
Das RE-Programm zielt darauf ab, Regionen in strukturellen Wandelprozessen zu unterstützen, und es werden jährlich Komplementäre Aktionspläne (CAPs) entwickelt, um thematische Bereiche anzugehen (S. 11). Der territoriale Plan für einen gerechten Wandel für die Region Ústí konzentriert sich auf wirtschaftliche Diversifizierung, Umweltdekarbonisierung und sozialen Zusammenhalt (S. 12).

Deutschland: Lausitz

Nationale Strategien
Die deutsche Kohlekommission, die 2018 eingerichtet wurde, hat das endgültige Datum für den Kohleausstieg auf 2038 festgelegt, später in einigen Regionen auf 2030 vorgezogen (S. 13). Die Bundesregierung hat erhebliche finanzielle Mittel zur Unterstützung der Transformation bereitgestellt, darunter 40 Milliarden Euro für Strukturpolitik und öffentliche Investitionen (S. 13).

Regionale Strategien
Die Lausitz steht vor Herausforderungen aufgrund der starken Identifikation mit der Braunkohle und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Kohleindustrie (S. 14). Der Prozess Zukunftswerkstatt Lausitz (ZWL) zielte darauf ab, eine strategische Vision zu entwickeln, stieß jedoch auf Schwierigkeiten aufgrund begrenzter öffentlicher Beteiligung und Problemen bei der regionalen Koordinierung (S. 14).

Diskussion
Periphere Regionen stehen vor vielen Herausforderungen bei der Erreichung von Nachhaltigkeit, hauptsächlich aufgrund ihrer einzigartigen sozioökonomischen und geografischen Merkmale. Eine wesentliche Herausforderung ist die Tendenz zur Peripherisierung, die Probleme wie Abwanderung, wirtschaftlichen Rückgang und Innovationsmangel umfasst (S. 15). Diese Regionen erleben oft einen „Brain Drain“, bei dem jüngere, gebildete Individuen abwandern, was zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und einer verringerten Innovationsfähigkeit führt (S. 13).

Ein weiteres Problem ist die starke Identifikation mit traditionellen Industrien wie dem Kohlebergbau, was Widerstand gegen Veränderungen hervorrufen und die Annahme neuer, nachhaltiger Praktiken erschweren kann (S. 14). Dieser Widerstand wird oft durch bestehende Netzwerke und Identitäten verstärkt, die eng mit diesen Industrien verbunden sind, was Blockadesituationen schafft, die die Wahrnehmung neuer Möglichkeiten einschränken (S. 17).

Darüber hinaus mangelt es in peripheren Regionen oft an Akteuren, die bereit sind, mit neuen Ideen zu experimentieren, was entscheidend für die Förderung von Innovation und nachhaltiger Entwicklung ist (S. 6). Die Fragmentierung von Kompetenzen unter verschiedenen territorialen und sektoralen Akteuren stellt ebenfalls eine Herausforderung dar, da sie zu einem Mangel an koordinierten Maßnahmen und einer einheitlichen Vision für eine nachhaltige Transformation führen kann (S. 6).

Schließlich sind die Governance-Strukturen in diesen Regionen oft von oben vorgegeben, mit begrenztem Engagement lokaler Akteure und der akademischen Gemeinschaft, was die Entwicklung der transformatorischen Kapazitäten einschränkt, die für Nachhaltigkeit notwendig sind (S. 16). Der Mangel an inklusiver Governance und strategischer Planung kann es den Regionen erschweren, den Übergang zu nachhaltigen Praktiken effektiv zu bewältigen (S. 16).

Zusammenfassung
Die Fallstudien veranschaulichen den dynamischen und politischen Charakter struktureller Veränderungen und betonen die Notwendigkeit einer mehrstufigen Governance und strategischen Planung zur Unterstützung nachhaltiger Entwicklung (S. 18). Das Dokument ruft zu integrativeren und ganzheitlicheren Strategien auf, die regionale Akteure in die Mitgestaltung von Transformationsprozessen einbeziehen (S. 19).

Quelle: 1.