Der Bericht „Zwei Transformationen. Zeitgenössische Veränderungen in den Kohleregionen Polens und Deutschlands“ wurde von Autorinnen und Autoren verfasst, die mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) verbunden sind – einer deutschen politischen Stiftung mit langer Tradition, die sich mit sozialwissenschaftlicher Forschung, sozialem Dialog und der Unterstützung einer gerechten Transformation befasst. Diese Organisation ist aktiv an der Analyse und Beobachtung der sozioökonomischen Veränderungen in Europa beteiligt und engagiert sich zudem in Projekten zu Energiewandel und Arbeitsmarkt. Der vorliegende Bericht ist Teil dieser Aktivitäten und stellt den Versuch dar, die Erfahrungen der Kohleregionen in Deutschland zu beschreiben und aufzuzeigen, welche Schlussfolgerungen sich daraus für andere Länder ergeben können.
Das Dokument analysiert den Ausstieg aus der Kohle am Beispiel der Lausitz und des Ruhrgebiets und zeigt, wie tiefgreifend der Wandel ist. Die Zahl der Arbeitsplätze im Bergbau ist dort drastisch zurückgegangen: in der Lausitz von rund 90.000 im Jahr 1990 auf 7.000 im Jahr 2022, und im Ruhrgebiet von 600.000 im Jahr 1957 auf etwa 3.000 im Jahr 2018. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass der Beschäftigungsrückgang nicht nur den Energiesektor betrifft, sondern den gesamten lokalen Arbeitsmarkt und die Sozialstruktur. Die Energiewende resultiert aus der Klimapolitik, ökonomischem Druck sowie dem Bedeutungsverlust des traditionellen Bergbaus.
Der Bericht beschreibt die Herausforderungen, mit denen post-kohlenstoffbasierte Regionen konfrontiert sind: Abwanderung junger Menschen, Alterung der Gesellschaft, Schwierigkeiten bei der Umschulung von Beschäftigten sowie das Risiko wirtschaftlicher Marginalisierung. Viele dieser Bereiche erfordern eine langfristige Politik und koordinierte Maßnahmen. Es wird hervorgehoben, dass die Transformation einen Entwicklungsschub auslösen kann – jedoch nur dann, wenn sie von einer geeigneten Strategie, staatlicher Unterstützung sowie einer aktiven Rolle lokaler Institutionen und der Gewerkschaften begleitet wird.
In Deutschland spielten Unterstützungsprogramme für Beschäftigte eine wichtige Rolle im Prozess der gerechten Transformation; sie umfassten Schulungen, Umschulungen und Hilfe bei der Vermittlung in neue Arbeitsplätze. Parallel dazu wurden Investitionen in neue Wirtschaftssektoren, erneuerbare Energien, Zukunftstechnologien, Logistik und Dienstleistungen getätigt sowie in den Ausbau der Infrastruktur, die Investorinnen und Investoren anziehen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern soll. Im Bericht wird zudem die Bedeutung des sozialen Dialogs hervorgehoben, in dem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine wichtige Rolle spielt, indem er den Prozess begleitet und die Interessen der Beschäftigten wahrt.
Obwohl der Bericht vor allem deutsche Erfahrungen beschreibt, ist der Kontext der Energietransformation auch für die Woiwodschaft Niederschlesien von großer Bedeutung, insbesondere für die Region Turów. Aus verfügbaren Analysen geht hervor, dass diese Subregion in Polen zu den am stärksten von den Folgen des Ausstiegs aus der Braunkohle betroffenen Gebieten gehört. In der regionalen Debatte wird zunehmend die Notwendigkeit betont, ein Szenario „Turów nach der Kohle“ zu erarbeiten. Die lokale Bevölkerung und die Beschäftigten fordern einen klaren Transformationsplan und konkrete Unterstützungsinstrumente.
„Eine gerechte Transformation lässt sich nicht einseitig durchführen; notwendig ist der Beitrag der Beschäftigten – ebenso ein sehr gutes Niveau des Dialogs mit der Regierung und den Arbeitgebern“, schrieb Barbara Popielarz, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpolnischen Gewerkschaftsbundes (OPZZ), im Vorwort des Berichts.
Autor: MJ
Quelle: 1.