Der neueste Bericht von Forum Energii, „Modernisierung oder Marginalisierung“, zeigt, dass bereits heute technologische Lösungen verfügbar sind, die die Elektrifizierung von über 60 % der in der verarbeitenden Industrie genutzten Prozesswärme ermöglichen. Die Elektrifizierung würde die Abhängigkeit des Sektors von Gas- und Kohlepreisen nachhaltig verringern und damit seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die Industrie schafft einen bedeutenden Mehrwert für die polnische Wirtschaft und ist ein wichtiger Verbraucher von Primärenergie – nicht nur in Form von Strom, sondern auch von Brennstoffen und Wärme.

Die Elektrifizierung der Industrie wird als ein Weg zur Erhöhung der Energiesicherheit Polens gesehen. Der Bericht betont, dass die Industrie in Polen rund 23 % der Wertschöpfung zum BIP generiert und über 3 Millionen Menschen beschäftigt.

Polen ist eines der am stärksten industrialisierten Länder der Europäischen Union und damit ein wichtiges Glied der europäischen Lieferketten. Dennoch beginnt die polnische Industrie im Wettbewerb um die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren – aufgrund der starken Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, was Risiken für die Energie­sicherheit und -unabhängigkeit schafft.

Die fortschreitende Dekarbonisierung erfordert Investitionen in moderne Technologien, damit polnische Unternehmen mit Akteuren aus China und den USA konkurrieren können.

Zentrale Schlussfolgerungen des Berichts

  • Elektrifizierung als Schlüssel zur Dekarbonisierung: Die Elektrifizierung der Industrie kann die Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren, die zu einem großen Teil aus der Wärmeerzeugung stammen. Die Industrie ist für 75 % der treibhausgasbedingten Emissionen im Zusammenhang mit der Wärmeerzeugung verantwortlich.
  • Herausforderungen und Chancen: Polen steht vor Herausforderungen, die sich aus hohen Stromkosten und der Abhängigkeit von Rohstoffimporten ergeben. Gleichzeitig bestehen Chancen für einen „Technologiesprung“ und den Ausbau lokaler Lieferketten dank des Trends zur Verkürzung der Wertschöpfungsketten.
  • Technologien zur Unterstützung der Transformation: Industrielle Wärmepumpen und Elektrokessel sind Schlüsseltechnologien für die Elektrifizierung. Wärmepumpen können Wärme mit Temperaturen bis zu 200 °C liefern, was für viele industrielle Prozesse relevant ist.
  • Auswirkungen auf das Stromsystem: Die Elektrifizierung der Industrie wird den Stromverbrauch verdoppeln und stellt damit eine Herausforderung für den Nationalen Stromsystemverbund (KSE) dar. Es wird geschätzt, dass die zusätzliche jährliche Stromnachfrage um 57 TWh steigen wird.
  • Investitionen und Kosten: Die Investitionskosten für Elektrifizierungstechnologien sind vergleichbar mit den jährlichen Ausgaben der Industrie für Maschinen. Das Haupthindernis für die Elektrifizierung sind die hohen Stromkosten, die 2,5–2,6 Mal höher sind als die Kosten für Erdgas.
  • Industriepolitik: Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit einer aktiven Industriepolitik, die die Transformation durch Mobilisierung von privatem und öffentlichem Kapital sowie die Förderung der Energieeffizienz unterstützt.
  • Geopolitische Vorteile: Die Elektrifizierung der Industrie kann dazu beitragen, die Importe fossiler Brennstoffe zu verringern und die Attraktivität Polens als Produktionshub für Europa zu erhöhen.

Der Bericht endet mit einem Appell zum Handeln für die Modernisierung und Dekarbonisierung der Industrie und hebt hervor, dass dies eine strategische Investition in die nationale Souveränität und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft ist.

Autor:MJ