In letzter Zeit sind in den Medien und der öffentlichen Debatte Fragen aufgekommen, ob Deutschland sich aus dem Ausbau der Offshore-Windenergie zurückzieht. Das ist ein wichtiges Thema, denn Offshore-Windparks sind eine der Säulen der Energiewende: Sie sollen große Mengen Strom liefern, die Energiesicherheit stärken und fossile Quellen ersetzen.
Deutschland verabschiedet sich nicht von Offshore-Windkraft. Das Programm läuft weiter und wird ausgebaut; weitere Projekte werden geplant und gebaut. Gleichzeitig verläuft nicht alles nach dem ursprünglichen Zeitplan: Es gibt Verzögerungen bei Netzanschlüssen, und die Bedingungen mancher Auktionen erwiesen sich für Investoren als zu risikoreich.
Deshalb passt Berlin Tempo, Regeln und langfristige Pläne so an, dass die Technologie weiterentwickelt wird, jedoch auf wirtschaftlich tragfähige und realisierbare Weise.
Ende 2025 waren 1.680 Turbinen auf See mit einer Gesamtleistung von 9.740 MW in Betrieb, davon rund 80% in der Nordsee und knapp 20% in der Ostsee. Sie produzierten 26 TWh Strom, also etwa 5% der deutschen Stromerzeugung.
Zusätzlich sind bereits 72 Turbinen mit 890 MW errichtet, die auf den Netzanschluss warten. Im Bau befinden sich weitere Parks mit insgesamt 2.400 MW, deren Inbetriebnahme für dieses und nächstes Jahr vorgesehen ist. Für weitere 2.600 MW wurden bereits endgültige Investitionsentscheidungen getroffen, sodass der Bau bald beginnen sollte; die Fertigstellung ist für die Jahre 2028–2029 geplant.
Die nächste, größere Tranche umfasst 17.500 MW in Projekten, die staatliche Ausschreibungen gewonnen haben und zwischen 2029 und 2034 in Betrieb gehen sollen. Hier zweifeln einige Experten, ob die in den Auktionen festgelegten Bedingungen für Unternehmen ausreichend wirtschaftlich sind; Änderungen sind daher möglich (ein Rückzug der Investoren wäre mit Strafzahlungen belegt).
Die vom vorherigen Kabinett unter Olaf Scholz gesetzten Ziele lauten: 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045 (1 GW = 1.000 MW; dies ist die Summe der installierten Leistung aller Turbinen). Die Branche schätzt, dass 30 GW eher erst 2032 erreicht werden, wegen Verzögerungen bei den Netzanschlüssen. Turbinen allein genügen nicht: Es braucht auch Kabel und Umspannwerke an Land, was oft zum Engpass wird. Das Ziel von 40 GW bis 2035 gilt derzeit jedoch als nicht gefährdet, sofern die geplanten Projekte verwirklicht werden und weitere Auktionen stattfinden.
Komplikationen zeigen sich auch im Auktionssystem: Im vergangenen Jahr gab es eine Ausschreibung ohne Bieter – nicht wegen mangelnden Interesses, sondern weil die Regeln zu viel Risiko auf die Investoren abwälzten. Entsprechend wird an Anpassungen gearbeitet. Parallel dazu läuft eine Diskussion, ob bis 2045 tatsächlich 70 GW benötigt werden (Teil des Klimaneutralitätsziels), ob sich der Umfang begrenzen ließe, um die sehr kostspielige Erweiterung von Netz und Anschlüssen zu reduzieren, und ob eine stärkere “Verdichtung” der Parks deren Erträge mindert (benachbarte Turbinen können sich den Wind “wegnehmen”) und damit die Wirtschaftlichkeit.
Daher schlagen einige Koalitionspolitiker und auch Energieunternehmen eine leichte Absenkung der langfristigen Ziele vor, um einerseits die Kosten für Staat und Verbraucher zu senken und andererseits die Attraktivität und Rentabilität der Investitionen zu erhalten.
Autor:MJ