In den letzten Wochen ist in Deutschland eine intensive Diskussion über das Vorschlagspaket des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu neuen Regeln für erneuerbare Energien und den Netzausbau entbrannt. Derzeit müssen Wind- und Solaranlagen wegen überlasteter Netze häufig gedrosselt oder abgeschaltet werden. Für solche Eingriffe erhalten Betreiber Entschädigungen, was für den Staat erhebliche Kosten bedeutet.

Das Ministerium hat zwei Lösungen vorgeschlagen:

  1. „Redispatchvorbehalt“, also ein Vorbehalt für Redispatch-Maßnahmen, die von Übertragungs- oder Verteilnetzbetreibern ergriffen werden, um geplante Stromflüsse zu ändern und Netzüberlastungen zu vermeiden. In diesem Fall sollen besonders belastete Netzgebiete als „kapazitätslimitiert“ ausgewiesen werden. Neue Anlagen in diesen Zonen würden keine Entschädigung erhalten, wenn ihre Einspeisung wegen Engpässen gedrosselt wird.
  2. „Baukostenzuschüsse“. Neue Erzeuger, Speicher und große Verbraucher sollen sich – je nach Region – stärker an den Anschluss- und Netzausbaukosten beteiligen. Ziel ist es, die Redispatchkosten zu senken und Engpässe zu vermeiden.

Die EE-Branche reagiert kritisch. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) unterstützt das Ziel, mehr Transparenz in den Netzen zu schaffen und regionale Unterschiede bei den Zuschüssen zu berücksichtigen, fordert jedoch mehr Zeit für Konsultationen und warnt, dass die aktuellen Pläne und kurzen Umsetzungsfristen die Planungssicherheit der Netzbetreiber gefährden.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt vor einer „Zubaublockade“, die zu Energieknappheit und höheren Preisen führen könnte. Er betont, dass die Redispatchkosten seit 2022 eher sinken und ähnliche Probleme auch bei konventionellen Kraftwerken auftreten. Statt neuer Hürden sollten der Netzausbau und der Ausbau der Erneuerbaren besser synchronisiert, vorhandene Anschlusspunkte mehrfach genutzt, flexible Anschlussvereinbarungen ausgeweitet, Komponenten standardisiert und die Planungs- und Anschlussprozesse transparenter gemacht werden.

Die EE-Branche warnt zudem: Die Netze sind bereits der „Flaschenhals“ der Energiewende. Wenn Betreiber in Engpassregionen auf Entschädigungen verzichten müssen, wird der Ausbau der Erneuerbaren deutlich gebremst. Das Netzanschlusspaket sollte daher vor dem Kabinettsbeschluss überarbeitet werden, insbesondere bei den Steuerungsmechanismen.

Autor: MJ

Quellen: 1,2.