Die deutsche Lausitz ist eine Region, die sich stark im Wandel befindet. Um zu verstehen, wie sich die Menschen dort fühlen, wird jährlich eine Studie mit dem Namen Lausitz Monitor durchgeführt. Im Jahr 2025 fand bereits die sechste Ausgabe dieser Meinungsumfrage statt
Wer untersucht die Stimmung in der Lausitz und wie?
Die Studie ist eine große Zusammenarbeit mehrerer Organisationen: der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS), des Vereins Domowina (Bund Lausitzer Sorben) sowie des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA).
Die Erhebung wurde im März und April 2025 mittels CAWI (Computer Assisted Web Interviewing, also über online ausgefüllte Fragebögen) durchgeführt. Daran nahmen 1.028 Personen ab 16 Jahren aus verschiedenen Teilen der Region (Brandenburg und Sachsen) teil, was die Ergebnisse als repräsentativ (die Ansichten der Gesamtbevölkerung abbildend) erscheinen lässt. Die Ergebnisse wurden am 7. Juli 2025 veröffentlicht.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie 2025
Aus den Befragungen ergibt sich das Bild einer Region, die vor großen Herausforderungen steht, aber auch stolz auf ihre Kultur ist. Die Hauptpunkte:
• Notwendigkeit von Veränderungen: Ganze 69 % der Lausitzerinnen und Lausitzer sind der Meinung, dass die Region einen tiefgreifenden Strukturwandel benötigt (Strukturwandel – also eine umfassende Umgestaltung der Wirtschaft, etwa vom kohlebasierten Industrieprofil hin zu neuen Technologien). Das ist der höchste Wert in der Geschichte der Studie.
• Kohleausstieg: Obwohl die Menschen wissen, dass Veränderungen notwendig sind, stehen sie einer Beschleunigung der Kraftwerks- und Tagebauschließungen sehr skeptisch gegenüber. Die Mehrheit der Befragten (75 %) lehnt eine Vorziehung des Kohleausstiegs auf das Jahr 2030 ab.
• Persönliche Zufriedenheit und Sorgen: Die allgemeine Stimmung der Bewohner bleibt stabil, und der Optimismus in Bezug auf die eigene Zukunft liegt bei etwa 50 %. Vielen bereiten jedoch Probleme wie Inflation (allgemeiner Preisanstieg), Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie Migration Sorge.
• Sorbische/wendische Kultur: Dies war ein besonders wichtiger Punkt der diesjährigen Studie. Es zeigt sich, dass 83 % der Einwohner die sorbische/wendische Kultur als untrennbaren und sehr wichtigen Bestandteil der Lausitz ansehen. Zudem betrachten 68 % sie als großen Vorteil für den Tourismus.
Warum sind solche Studien auch auf der polnischen Seite notwendig?
Obwohl sich der Lausitz Monitor auf den deutschen Teil der Region konzentriert, halten wir ähnliche Untersuchungen auch auf der polnischen Seite der Lausitz (z. B. in der Umgebung von Zgorzelec oder Bogatynia) für notwendig.
- Gemeinsame Probleme: Sowohl der polnische als auch der deutsche Teil der Region stehen vor der Energiewende (dem Ausstieg aus der Braunkohle). Kenntnisse darüber, wovor sich die Bewohner beiderseits der Grenze sorgen, könnten helfen, Unterstützungsmaßnahmen besser zu planen.
- Grenzüberschreitende Region: Die Lausitz ist ein zusammenhängender Lebensraum. Menschen aus Polen arbeiten in Deutschland und umgekehrt. Studien könnten aufzeigen, wie diese Gruppen einander wahrnehmen und welche Zusammenarbeit sie sich wünschen.
- Regionale Identität: Ähnlich wie bei den Nachbarn wäre es sinnvoll zu untersuchen, wie sich die Menschen in Polen mit ihrer Region identifizieren und ob sie das gemeinsame lausitzische Erbe kennen und schätzen.
Systematische Befragungen der Einwohner helfen, Mutmaßungen zu vermeiden und die Zukunft der Region auf Fakten und nicht nur auf politische Annahmen zu gründen.
Autor: MJ
Quelle: 1.