Am 4. November 2025 fand im Sitz des Europäischen Zentrums Erinnerung, Bildung, Kultur in der Jeńców Stalagu straße, VIII A 1 in Zgorzelec (Koźlice) die deutsch-polnische Konferenz „TRILAND – KRAFT VON MORGEN“ statt. Die Veranstaltung hatte den Charakter eines Treffens der Menschen aus der Region – eines Raums für Gespräch, Reflexion und gemeinsames Erleben der bisherigen Projektergebnisse. Einer der wichtigsten Momente des Tages war das außergewöhnliche Konzert von Gooral, das zur musikalischen Metapher für den Wandel unserer Region wurde.

Die Idee von „TRILAND – KRAFT VON MORGEN“ entstand aus dem Bedürfnis, eine möglichst breite Zielgruppe in unserer Region zu erreichen, um Ergebnisse zu teilen, aber auch einfach zusammen zu sein: miteinander zu sprechen, zu diskutieren und zu kontemplieren. In einer Welt des ständigen Wandels ist es gerade die achtsame Begegnung – zwischen Menschen, Kulturen, Generationen und Disziplinen –, die die wirkliche Kraft von morgen aufbaut.

Gooral – ein Künstler zwischen Tradition und Moderne
Gooral, bürgerlich Mateusz Górny, ein in Bielsko-Biała geborener Musikproduzent, wurde durch seine originelle Verbindung von Elektronik, Dubstep und Drum’n’Bass mit ethnischen, hochländischen (goralischen) Klängen bekannt. Er schafft Musik, die zugleich pulsiert und beruhigt – sie berührt Emotionen, Körper und Erinnerung. Seine Werke werden sowohl von Fans elektronischer Experimente als auch von Liebhaberinnen und Liebhabern traditioneller Motive geschätzt.

Die Wahl von Gooral für das Konzert im Rahmen der Konferenz war kein Zufall. Er ist ein Künstler, der mit seiner Musik den Dialog zwischen Erbe und Zukunft symbolisiert. In diesem Sinne spiegelt er die Transformation unserer Region ideal wider: die Verbindung der Tradition des Kohlebergbaus mit modernen Technologien, den Übergang von einer schweren, materiellen Landschaft in eine Welt der Innovation, Kreativität und neuen Kompetenzen. Goorals Musik wird hier zu einer Erzählung über den Wandel, die die Wurzeln respektiert und zugleich mutig nach vorn blickt.

Musik, die bewegt – auch die Empfindsamsten
Gooral hat mehr als einmal bewiesen, dass Musik ein Schlüssel zur Seele ist. Einige Wochen vor der Flut, die 2024 Niederschlesien traf, spielte er ein außergewöhnliches Konzert für Tiere im Wrocławner Zoo – für die Elefantendamen Burma und Toto, die aus einem Zirkus gerettet wurden. Ihre Pfleger bemerkten, dass die Tiere bei den Klängen seiner Kompositionen zur Ruhe kommen und Gelassenheit finden. Ein eindrucksvolles Zeugnis für die Kraft der Musik, die Sprach- und Artengrenzen überschreitet.

Ein Ort, der erinnert – und verpflichtet
Die Symbolik des Konzertortes war ebenso bedeutend. Der Sitz der Stiftung befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlagers Stalag VIII A in Zgorzelec. Genau hier komponierte während des Zweiten Weltkriegs der französische Komponist Olivier Messiaen – selbst Kriegsgefangener – sein „Quartett für das Ende der Zeit“. Die Uraufführung fand am 15. Januar 1941 statt – unter äußerst schwierigen Bedingungen und doch mit außergewöhnlicher geistiger Kraft. Messiaens Geschichte erinnert daran, dass Musik selbst in der Finsternis Zeugnis von Hoffnung geben kann. In diesem Kontext klang das zeitgenössische Konzert von Gooral wie ein Dialog mit der Vergangenheit: zwischen Leid und Erneuerung, Erinnerung und Zukunft, Tradition und Innovation. Ein Treffen in einem Raum, der – einmal mehr – zu einem Ort kreativer Wende wurde.

Stimme der Region, Rhythmus der Zukunft
Das Konzert von Gooral im Rahmen von „TRILAND – KRAFT VON MORGEN“ war mehr als nur ein musikalischer Zusatz zur Konferenz. Es wurde zu ihrem lebendigen Finale – zu einer Gemeinschaftserfahrung, in der sich der Rhythmus der Moderne mit der Melodie der Erinnerung verband und die Energie der Menschen der Region ein künstlerisches Echo fand. Für viele Teilnehmende war es ein Moment der Entlastung und Stärkung, eine Bestätigung, dass der Weg der Transformation zugleich verwurzelt und mutig sein kann. „Kraft von morgen“ ist nicht nur ein Motto – es ist ein Prozess, der hier und jetzt geschieht. Wenn wir fähig sind, einander zuzuhören, unserem Erbe und dem Atem neuer Technologie, können wir eine Zukunft gestalten, die schön, weise und gemeinsam ist. Und die Musik – wie dieser Abend gezeigt hat – ist eines der einfachsten und zugleich stärksten Werkzeuge, um sich diese Zukunft vorzustellen und sie zu fühlen.

Autor:MJ