In Deutschland wird erneut intensiv über die Beheizung von Gebäuden diskutiert. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf die Richtung einer Novelle des Gebäudeenergiegesetzes geeinigt. Ziel bleibt die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, doch die Mittel sollen andere sein als bisher: weniger Gebote und Verbote, mehr Entscheidungsfreiheit für Eigentümer.

In der vorangegangenen Legislaturperiode wurden auf Initiative der Grünen und von Vizekanzler Robert Habeck die Vorschriften des GEG verschärft, indem die Grundregel eingeführt wurde, dass neue Heizsysteme zu mindestens 65 Prozent auf erneuerbaren Energien basieren sollen. In der Praxis schränkte dies den Einbau von Gas- und Ölkesseln ein, und viele empfanden es als Versuch, den Umstieg auf in der Installation teurere Wärmepumpen zu erzwingen. Gleichzeitig wurden großzügige Zuschüsse für deren Anschaffung aufgelegt. Diese Reformen lösten enorme Kontroversen aus, wurden zu einem der größten politischen Streitpunkte der vergangenen Jahre und trugen zur Krise der vorherigen Koalition sowie zur Niederlage der Grünen bei den Wahlen 2025 bei.

Die Unionsparteien CDU und CSU traten mit dem Slogan an, das sogenannte Heizgesetz von Robert Habeck abzuschaffen, und setzten diese Forderung in den Verhandlungen mit der SPD durch. Die Sozialdemokraten verteidigten die bisherigen Regelungen fast ein Jahr lang, gaben jedoch gemäß dem Inhalt der Einigung weitgehend nach.

Die neuen Leitlinien sehen die Abschaffung der verpflichtenden 65-Prozent-Quote für erneuerbare Energien bei neuen Anlagen, die Aufhebung allgemeiner Betriebsverbote für bestimmte Gerätetypen sowie den Wegfall von Austauschpflichten vor.

Zentral ist die politische Botschaft: Beim Heizungstausch entscheidet der Eigentümer über das System, und der Staat stärkt seine Entscheidungsfreiheit und Verantwortung. Der Abschied von der Logik von Verboten und Geboten wird als Wiederherstellung der Wahlfreiheit präsentiert.

Gleichzeitig bleiben wichtige Kostentreiber bestehen. Neue Gas- und Ölkessel können weiterhin installiert werden, sollen jedoch ab 2029 einen steigenden Anteil emissionsneutraler Brennstoffe nutzen, anfangs mindestens 10 Prozent, etwa Biomethan. Zusätzlich soll ab 2028 für Inverkehrbringer von Brennstoffen eine Pflicht gelten, einen bestimmten Anteil an Biokomponenten oder Wasserstoff sicherzustellen, zunächst 1 Prozent. In der Praxis bedeutet dies einen schrittweisen Anstieg der Preise für Erdgas und Heizöl, die zum Heizen genutzt werden – zusätzlich zu steigenden Kosten für CO2-Emissionen. Die Koalitionspartner verschweigen diesen Effekt nicht. Sie stellen die Wahlfreiheit wieder her und schaffen Verbote ab, doch wer sich für einen Gas- oder Ölkessel entscheidet, muss in den kommenden Jahren mit höheren Betriebskosten rechnen.

Parallel dazu wurde die Fortführung der bestehenden Zuschüsse für Wärmepumpen mindestens bis 2029 angekündigt. Wärmepumpen waren im vergangenen Jahr die am häufigsten neu angeschaffte Wärmequelle. Das bedeutet: Der Staat wird nicht zum Einsatz von Wärmepumpen zwingen, sie aber weiterhin finanziell bevorzugen.

Aus Sicht der Dekarbonisierung wird dies voraussichtlich zu einer Verlangsamung des Austauschs hin zu emissionsarmen Geräten führen und faktisch das Abschiednehmen von den Emissionsminderungszielen im Wärmesektor bis 2030 bedeuten.

Rund um die geplante Änderung findet in Deutschland eine lebhafte öffentliche Debatte statt. Der Entwurf der Novelle ist noch nicht fertig, die Bundesregierung kündigt jedoch die Verabschiedung des Gesetzes bis zum Sommer an. Bis dahin sind weitere Anpassungen zu erwarten, unter anderem bei Zeitplänen, Quoten für Biobrennstoffe sowie Details der Förderkulisse.

Für Hauseigentümer wird es entscheidend sein, die endgültigen Regelungen zu verfolgen und die Vollkosten über einen Horizont von 10 bis 15 Jahren zu kalkulieren – unter Berücksichtigung von Investitionsausgaben, Zuschüssen, Brennstoffpreisen und Emissionsabgaben. Auch wenn die Technologieauswahl wieder bei den Eigentümern liegt, wird die Struktur von Abgaben und Anreizen den Markt in der Praxis in Richtung emissionsarmer Lösungen lenken.

Autor: MJ

Quelle: 1.