Tschechien schließt die letzte Steinkohlezeche ČSM in Stonava und beendet damit eine mehr als 250-jährige Bergbaugeschichte in der Region Ostrava-Karviná. Symbolisch markiert dies das Ende der Steinkohlenära im Land. Der Höhepunkt wird der 4. Februar sein, wenn der letzte Förderwagen mit Kohle an die Oberfläche fährt. Die begleitenden Feierlichkeiten in Ostrava – der Festumzug der Bergleute in Paradeuniformen und eine Messe zum Gedenken an die Opfer – unterstreichen die Bedeutung dieses Wandels für die lokalen Gemeinschaften.
Der endgültigen Entscheidung zur Einstellung der Förderung ging im vergangenen Jahr die Stilllegung des letzten Kohlekraftwerks sowie eine nüchterne wirtschaftliche Abwägung voraus: Bei niedrigen Rohstoffpreisen und fehlenden Abnehmern war der Erhalt der Gruben nicht mehr zu rechtfertigen. Das spiegelt sich in den Zahlen wider: von 35 Mio. Tonnen im Jahr 1989 auf unter 1,2 Mio. Tonnen im Jahr 2025. Dieser Prozess ist zwar notwendig, hat jedoch reale soziale Folgen: 750 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, weitere 150 bis Ende Februar. Einige hundert Bergleute und Fachkräfte bleiben jedoch weiterhin beschäftigt – beim Rückbau der Infrastruktur, geologischen Sicherungsarbeiten und Rekultivierung –, um den Standort auf eine neue Rolle vorzubereiten.
Geplant ist die Nutzung von Methan, jenes Gases, das für die Bergleute jahrelang ein Fluch war. Dies könnte zur Entwicklung der lokalen Energie- und Wärmeversorgung beitragen, Emissionen reduzieren und neue Arbeitsplätze schaffen.
In einer breiteren Perspektive führt die Entscheidung Tschechiens dazu, dass Polen das einzige EU-Land mit laufender Steinkohlenförderung bleibt – zugleich ein Alleinstellungsmerkmal und eine Herausforderung.
Autor:MJ
Quelle: 1.